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Mit Anfang 20 brach Jacob Holdt (geboren 1947 in Kopenhagen) von Dänemark über Kanada nach Chile auf, um an der demokratischen Revolution von Salvador Allende teilzunehmen. Anstatt in Südamerika anzukommen, trampte er jedoch fünf Jahre lang und insgesamt 160.000 Kilometer durch die USA, lebte von der Hand in den Mund, schlug sich mit nur wenig Geld durch und war auf Hilfe angewiesen. In den Ghettos der USA wuchs sein Interesse für das „schwarze Amerika” und dessen Lebensbedingungen. Holdt wurde so zum teilnehmenden Beobachter, er kam den abgebildeten Menschen sehr nahe - näher als amerikanische Soziologen sich jemals in das gefährliche Terrain der Ghettos vorwagten.
Holdts Eltern in Dänemark glaubten seinen schriftlichen Berichten über die katastrophalen Zustände nicht und schickten ihm eine Fotokamera (Canon Dial 35-2), mit der er seine Sicht und Erlebnisse festhielt. Zwischen 1970 und 1975 entstanden so rund 15.000 Fotos, die die Widersprüche des Landes in vielen Lebenszusammenhängen zeigen – und vor allem, wie gelähmt Schwarze und Weiße bei ihrer Sucht nach Zerstreuung erscheinen. Durch Artikel, unter anderem im „Spiegel”, und Buchveröffentlichungen erhielt Holdt nach seiner Rückkehr eine breite Öffentlichkeit. Zudem nutzt er bis heute seine Fotografien zur Agitation gegen Armut und Rassismus. In seinen Dia-Vorträgen verurteilte er die USA nicht an sich, sondern nimmt das Land als Beispiel für eine Diskriminierung, die überall auf der Welt zu finden ist. Seine Aufklärungsarbeit sieht er jedoch auch kritisch. „Mein fotografisches Hobby ist alles in allem nichts anderes als eine Ausbeutung der Leiden und wird wohl niemals dazu führen, sie zu lindern.” C/O Berlin präsentierte Jacob Holdt im Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Ribbat anlässlich des „Deutsche Börse Photography Prize 2008”, für den der Fotograf als Finalist nominiert wurde. |
