Freitag, 16.07.2010
18 Uhr
. Lecture 1

Beat Streuli

im Gespräch mit Brigitte Werneburg, Kunstredakteurin, taz, Berlin

London, Tokyo, New York, Sydney – die flirrenden Orte und Straßen von Metropolen weltweit bilden die Folie für die Porträts des schweizer Fotografen Beat Streuli. Seit über zehn Jahren dokumentiert er das Individuum in seiner urbanen Umgebung, die Heterogenität der Menschen und die lokale Jugend. Seine großformatigen Serien leben von der Spannung zwischen der Uniformität der global villages und der unverwechselbaren Eigenart jeder Stadt und ihrer Bewohner. Seine Vorgehensweise enthält eine Spur Voyeurismus, denn er fotografiert meist aus großer Distanz, ohne dass die Passanten es wahrnehmen. Dabei hält er nicht einzelne spektakuläre Momente fest, sondern alltägliche Szenen, die das Private und Individuelle im anonymen, öffentlichen Raum offenbahren.
 
 
Samstag, 17.07.2010
17 Uhr . Lecture 2 (engl.)

Saul Leiter



Saul Leiter ist Flaneur, Pionier der Farbfotografie und Meister im Einfangen von Atmosphären und Stimmungen des großstädtischen Lebens mit all seinen flüchtigen Nuancen. Die spezielle Farbigkeit seiner Bilder zeugt von einem malerischen Verständnis, und seine Aufnahmen aus den Straßen New Yorks seit den 1950er Jahren erinnern stark an Gemälde. Seine verwischt anmutenden Bilder eröffnen eine bisher unbekannte visuelle Ästhetik. Saul Leiter hat die Street Photography wesentlich mitgeprägt. Diese gilt als Pendant zum abstrakten Expressionismus, zum Film Noir, der Beat Poetry und dem New Journalism. Lange Zeit in Vergessenheit geraten, werden seine Fotografien zur Zeit neu entdeckt.
 
 
Sonntag, 18.07.2010
12 Uhr
. Lecture 3 (engl.)

Edward Burtynsky

im Gespräch mit Christian-Matthias Pohlert, Leiter Bildredaktion, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Moderation Dr. Melinda Crane, Journalistin und Moderatorin

Verseuchte Flüsse, ausgeschlachtete Autos, stillgelegte Fabrikationsanlagen, giftige Stoffe und gigantische Krater des Bergbaus – Edward Burtynsky konzentriert sich auf die Veränderung der Natur durch die Industrialisierung und überträgt die klassische Naturlandschaftsfotografie auf Industrielandschaften. Menschen erscheinen als Anhängsel der Maschinen, sie sind in ihrer Funktion zum Objekt geworden. In großformatigen Serien stellt er einen grafischen und farblichen Beziehungsreichtum her und erzielt so ähnliche Wirkungen wie die Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts. Sein Blick ist geometrisch, seine klare Bildsprache erinnert an die Becher-Schule. Diese visuelle Abstraktion, verbunden mit perfekter Bildkomposition und weichen farblichen Übergängen verleiht seinen Fotos einen enormen ästhetischen Reiz sowie widersprüchlichen Charakter. Dadurch rütteln Edward Burtynskys Bilder um so mehr auf. Sie sind visuelle Metaphern für den Zwiespalt einer modernen Überflussgesellschaft.
 
Sonntag, 18.07.2010
15 Uhr
. Lecture 4 (engl.)

Anders Petersen

im Gespräch mit Christoph Amend, Journalist, Die Zeit, Berlin

Prostituierte, Zuhälter, Alkoholiker und gewöhnliche Kleinkriminelle – Ende der 1960er Jahre dokumentierte der schwedische Fotograf Anders Petersen die Besucher des Café Lehmitz auf der Reeperbahn in Hamburg. Sein 1978 erschienener Bildband über die Stehbierhalle ist ein Klassiker der Milieufotografie und ein Meilenstein in der Fotografiegeschichte. Die Porträts berühren durch ihre Offenheit und Authentizität, denn Anders Petersen lässt in seinen Bildern weder Voyeurismus noch falsches Mitleid aufkommen, sondern bewahrt die Würde der Menschen. Sein Blick durch die Kamera ist nicht entlarvend, sondern solidarisch, liebevoll, fast kämpferisch. Seitdem hat Petersen in seinen Beobachtungen von Menschen am Rand der Gesellschaft seinen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt: ungeschminkte Gesellschaftsfotografie, die verborgene Aspekte des Menschlichen abbildet.
 


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